Freitag, 28. April 2017

Marco Balzano "Das Leben wartet nicht"

Ninetto ist erst neun Jahre alt, als er 1959 seine Heimat Sizilien verlässt und als Arbeitsemigrant nach Mailand geht, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Er nimmt Aushilfsjobs an als Austräger für eine Wäscherei und andere Gelegenheitsarbeiten. Erst mit 15 Jahren darf man offiziell in einer Fabrik anfangen und sehnsuchtsvoll wartet er darauf, ebenso wie auf die Hochzeit mit der jungen Maddalena. Die Trauung vollzieht ein Cousin der Familie, obwohl sie nicht volljährig sind. Bereits mit 16 Jahren lebt Ninetto wie ein erwachsener Mann mit fester Arbeit und Ehefrau.
Marco Balzano schreibt in seinem Roman „Das Leben wartet nicht“ auf sehr eindringliche Weise über Ninettos Leben, das beispielhaft ist für zahlreiche Lebensentwürfe in den 60er Jahre in Italien. Im Süden gibt es kaum Arbeit, die Menschen leben in Armut ohne Hoffnung. Die Region um Mailand in Norden mit ihrer Industrie und zahlreichen Fabriken wirkt schon für Kinder wie ein Hoffnungsstreif am Horizont und so machen sich viele in sehr jungen Jahren auf den Weg, um dort Geld zu verdienen. Das große Ziel war mit 15 Jahren einen Job in einer Fabrik zu bekommt, wie Ninetto bei Alfa Romeo. Das Schicksal von Ninetto ist anrührend und lässt einen nicht los, trotz all der Armut und Hoffnungslosigkeit von der er berichtet und seinem aktuellen Schicksal, von dem wir nur langsam erfahren, sucht er nach wie vor nach einem Platz im Leben. Dieses Leben, das eben nicht auf ihn gewartet hat, sondern geradezu einfach passiert ist, ohne ihn richtig mitzunehmen. Ohne große Schulbildung, mit gescheiterten Träumen und einem tagtäglichen Einerlei, das kaum Abwechslung bietet.
Dem Autor gelingt es dabei auf wunderbare Weise, dem Leser Ninettos Gedanken nahe zu bringen, obwohl es für unser privilegiertes Leben heute schwer nachvollziehbar ist, dass neunjährige Kinder ihre Familie verlassen, um hunderte Kilometer entfernt Arbeit zu suchen. Die Hoffnungslosigkeit von Ninettos Kindheit klingt in jeder Zeile mit und hat mich wirklich berührt. Er versucht seinen Weg zu machen und steht sich dabei eigentlich selbst im Weg, wie er feststellen muss.

„Das Leben wartet nicht“ von Marco Balzano ist eine anrührende Geschichte, die keineswegs nur Erfindung ist, sondern beispielhaft für das Leben zahlreicher junger Menschen in den 60er Jahre in Südeuropa steht. Ein bewegendes und besonderes Buch, das sehr zum Nachdenken anregt. 

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Donnerstag, 27. April 2017

Petra Hülsmann "Glück ist, wenn man trotzdem liebt"

Isabelle hat ein sehr ruhiges und geregeltes Leben, alles läuft nach Plan. Seit Jahren arbeitet sie als Floristin in einem Blumenladen, den sie einmal übernehmen wird und jeden Mittag isst sie im Restaurant gegenüber. Nur der Traummann lässt noch auf sich warten. Doch als ihr Lieblingsrestaurant schließt und in ein modernes Restaurant mit attraktivem Koch umgewandelt wird, muss sie plötzlich Veränderungen hinnehmen. Und auch in anderen Bereichen läuft plötzlich nichts mehr so wie geplant und Isabelle muss ganz schön kämpfen, denn Spontanität ist so gar nicht ihre Stärke. Vielleicht steigt jetzt wenigstens die Chance auf den Traummann? Man wird sehen.
Das Hörbuch zu „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ von Petra Hülsmann wird gesprochen von Nana Spier, die es schafft, Isabelle mit ihrer Stimme einen wunderbar fröhlichen, wenn auch etwas verkorksten Charakter zu verleihen. Ich hätte mir keine bessere Sprecherin für dieses Hörbuch vorstellen können und auch alle anderen Figuren bringt sie sehr gut rüber. Das Hörbuch ist gekürzt, was der Story aber nicht schadet, es ist lustig, kurzweilig, unterhaltsam und auch romantisch, wie man es von der Geschichte erwarten würde. Als Hörer weiß man natürlich gleich, wer der richtige Mann für Isabelle wäre, doch diese macht es sich schwerer, als sie müsste. Umso schöner, dass sich wie nicht anders zu erwarten am Ende die Richtigen finden.

Mir hat das Hörbuch „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ gut gefallen, es ist eine leichte Unterhaltung, die sich gut „weghören“ lässt, das Hörbuch ist auch nicht zu lang und sehr gut gelesen von Nana Spier. Allen Romantikern und Freunden von leichten Liebesgeschichten kann ich dieses Hörbuch daher nur empfehlen. 

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Mittwoch, 26. April 2017

Margaret Atwood "Hexensaat"

Felix Phillips war einst ein gefeierter Theaterregisseur, bevor er von seinem Konkurrenten Tony abgesägt wurde. Zurückgezogen lebt er allein in einem kleinen Häuschen im Nirgendwo und sinnt auf Rache. Jahre später sieht er seine Chance gekommen, Shakespeares „Der Sturm“, der ihm damals von Tony weggenommen wurde, neu aufzuführen und Tony und seinen anderen Gegenspielern darin eine ganz besondere Rolle zukommen zu lassen. 
Margaret Atwood thematisiert in ihrer Neuinterpretation von Shakespeares „Der Sturm“ das Stück gleich doppelt: Zum einen lässt sie es durch die Hauptfigur neu inszenieren, zum anderen gleicht die ganze Geschichte Shakespeares Original. Das Streben nach Rache, das Auftreten von Geistern oder eingebildeten Personen, gestrandet an einem seltsamen Ort, all das zeichnet Felix Leben ebenso wie das Stück, das er zur Aufführung bringt. Atwood setzt all das in einer Erzählung um, die einen von der ersten Seite an fesselt und mitreißt, wobei es völlig unwichtig ist, ob man den Stoff des „Sturms“ vorher schon kennt oder nicht. „Hexensaat“ ist teil der Hogarth Shakespeare Projekts und meiner Meinung nach bisher die beste Umsetzung von Shakespeares Stoff. Das Buch ist spannend, sehr modern und die Autorin schafft es auf bewundernswerte Weise, den Inhalt des Originals gleich doppelt in ihrem Werk zu spiegeln und so sowohl Original als auch ihrer Interpretation genug Raum zu geben. 
Margaret Atwood Roman „Hexensaat“ ist eine unglaublich faszinierende Neubearbeitung von Shakespeares „Der Sturm“, die einen als Leser regelrecht einsaugt. Mich hat die Geschichte einfach nicht mehr losgelassen und ich konnte nicht aufhören, weiterzulesen. Meiner Meinung nach ist dies eine großartige Umsetzung von Shakespeares Grundidee!

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Knaus Verlags. Über das Hogarth Shakespeare Projekt gibt es hier weitere Informationen. 

Sonntag, 23. April 2017

Jeffrey Archer "Die Wege der Macht. Clifton-Saga Band 5"

Der neueste Band der Clifton-Saga beginnt gleich wieder äußerst spannend. Auf der Jungfernfahrt des Barrington-Kreuzfahrtschiffes „Buckingham“ versucht die IRA, einen Anschlag auf Emma und Harry auszuüben, dem sie nur knapp entgehen. Während Harry in diesem Band um die Freilassung des russischen Autors Anatol Babakov kämpft, muss Emma sich wieder einmal um den Vorstand von Barringtons sorgen. Ihr Sohn Sebastian ist jetzt auch Vorstandsmitglied und wird ihr zu seinem immer größeren Ratgeber. Doch er sieht seine Zukunft nach wie vor im Bankenbereich und kämpft darum, sich dort einen angesehen Platz zu erarbeiten. 
Wie auch bei den vorhergehenden Bänden fesselt einen Jeffrey Archer mit seiner Erzählung rund um die Barringtons und Cliftons von der ersten Seite an. Wieder einmal wird deutlich, was für starke Charaktere Harry und Emma sind und ihr Sohn Sebastian hat mit diesen Vorbildern teilweise zu kämpfen, doch sie sind ihm auch eine Stütze. Er rückt in diesem Band verstärkt in den Mittelpunkt der Geschichte und läutet so sanft einen Generationenwechsel ein. Emmas Bruder Giles muss dagegen teilweise neu orientieren, diese Entwicklung des Charakters hat mir sehr gut gefallen und es zeigt, dass Archer eben nicht nur schematisch eine feste Geschichte erzählt, sondern seine Charaktere weiter entwickelt, sie scheitern und sich wieder aufrappeln lässt. Alle mache viel durch in diesem Band und müssen sich teilweise auch alleine ihren Konflikten stellen. Das hat das Buch meiner Meinung nach von den anderen Bänden unterschieden, Harry wird hier etwas zum Einzelkämpfer, was aber auch zu seinem starken und teilweise sturen Charakter passt. 
Meiner Meinung nach ist Jeffrey Archer mit „Die Wege der Macht“ eine großartige Fortsetzung der Clifton-Saga gelungen. Ein wahrer Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man erst einmal begonnen hat. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Heyne Verlags. 


Donnerstag, 20. April 2017

George R. R. Martin "Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis und Feuer 01"

Lord Eddard Stark, Herrscher über den Norden und Lord von Winterfell, ist eigentlich nicht unzufrieden mit seinem Leben, auch wenn es im Norden hart ist. Selbst im Sommer schneit es, aber mit seiner Frau Catelyn und seinen Kindern lebt er ein gutes Leben. Doch als ihn sein langjähriger Freund und König Robert Baratheon darum bittet, als rechte Hand des Königs und sein nächster Berater in den Süden zu reisen, kann er nicht ablehnen und macht sich auf den langen Weg. In Köngismund findet er sich schnell in einem Schlangennest aus Kämpfen und Intrigen wieder, in das auch seine Familie im hohen Norden verwickelt wird. Ein langes Ringen um Macht und Einfluss beginnt.
George R.R. Martins Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ ist hauptsächlich bekannt als Vorlage für die Serie „Games of Thrones“. Da ich davon nur die erste Folge gesehen habe und diese mich gar nicht überzeugen konnte und ich zudem eigentlich gar keine Fantasyliteratur lese, stand ich dem ersten Band „Die Herren von Winterfell“ dementsprechend skeptisch gegenüber. Das Buch hat mich jedoch von der ersten Seite an völlig mitgerissen und sofort nicht mehr losgelassen. Obwohl es sich um Fantasy handelt, erinnert vieles auch historische Romane und so ist das Buch auch für alle Leute großartig geeignet, die sonst keine Fantasyfans sind. Die Figuren sind alle unglaublich gut und detailliert beschrieben, sie sind ausgefeilte Charaktere, die Entwicklungen durchmachen und sich immer wieder auf unterschiedlichste Art beweisen müssen. Für mich war besonders faszinierend, dass es eben nicht das Gute und das Böse gibt, sondern jede Seite weist auf eine gewisse Art gute und böse Züge auf, so dass man sich (bis auf wenige Ausnahmen), nie völlig gegen eine Figur stellen mag.
Das Feld von Familien und Geschichten, in dem sich Martin bewegt, ist unglaublich groß, umso mehr fällt auf, wie stimmig alle Figuren und Geschichten sich ineinanderfügen und ergänzen. Am Anfang braucht man etwas, um die verschiedenen Häuser und Familien auseinanderzuhalten, aber schnell ist man so in der Geschichte drin, dass sich alles weitere von selbst fügt. Die fast 600 Seiten des ersten Bandes waren dann auch viel zu schnell vorbei, zum Glück erwarten einen noch neun weitere Bände, um Lord Stark, seiner Tochter Arya, die mich als Charakter sehr begeistert hat, und allen weiteren Figuren zu folgen.

„Die Herren von Winterfell“ von George R.R. Martin ist großartige Fantasyliteratur, die mit vielen Anlehnungen an mittelalterliche historische Romane arbeitet und dadurch alle Leser mitnimmt, egal ob Fantasy-Leser oder nicht. Jetzt bleibt mir nur noch, schnell weiterzulesen, denn es fällt schwer, nicht zu wissen, wie es weitergeht. 

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Mittwoch, 19. April 2017

Ernest Hemingway "Paris, ein Fest fürs Leben"

Jahrzehnte nach seinen jungen Jahren in Paris mit seiner Frau Hadley hat Hemingway mit „Paris, ein Fest fürs Leben“ in den 50er Jahren einen Rückblick auf sein damaliges Leben und viele bekannte Persönlichkeiten geschrieben. Es geht in kurzen Geschichten um das Leben der Hemingways in den zwanziger Jahren, größtenteils noch vor seinem ersten Roman und bevor er wirklich berühmt wurde, er berichtet darin jedoch auch von seinen Treffen mit Gertrude Stein, Scott und Zelda Fitzgerald und Ezra Pound.
Dabei beeindruckt Hemingway wie so oft durch seine klare, schnörkellose Sprache und gute Beobachtungsgabe. Seine Beschreibungen von Gertrude Stein und Scott Fitzgerald sind teilweise bissig, aber pointiert und treffend zusammengefasst. Besonders fasziniert hat mich die Beschreibung einer Reise mit Fitzgerald, um ein Auto abzuholen. Seine Beobachtungen decken sich dabei sehr gut mit den Beschreibungen von Fitzgerald Charakter in Michaela Karls Biographie „Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals“. Er trinkt, ist wankelmütig und stark beeinflusst von der Eifersucht seiner Frau Zelda. Gleichzeitig entführt Hemingway seine Leser in das Paris der zwanziger Jahre, berichtet anschaulich vom Leben auf den Straßen, in Cafés und den zahlreichen belebten Plätzen der Stadt, so dass man die Bilder vor einem inneren Auge sieht und sich wünscht, selbst Teil dieser Welt zu sein.
Ernest Hemingways „Paris, ein Fest fürs Leben“ hat mich wirklich begeistert, seine Sprache und sein Stil sind durch ihre Schlichtheit einfach wundervoll und gestalten für den Leser ein umfangreiches Bild des damaligen Paris. Dazu sagen muss ich allerdings, dass ich das Buch in Paris selbst gelesen habe und ich tagtäglich die Straßen und Plätze, die Hemingway beschreibt, besucht habe, so dass mich das Buch natürlich persönlich besonders getroffen hat. Doch egal wo man liest, Ernest Hemingway ist immer eine ausgiebige Lektüre wert. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Rowohlt Verlags. 

Dienstag, 18. April 2017

Ina Linger /Cina Bard "Callboy to go"

Mia ist wild entschlossen, ihren 30. Geburtstag nicht mehr als Jungfrau zu begehen und so bucht sie einen Urlaub auf Teneriffa und mietet sich einen Callboy, um diese eine Sache endlich mit Anstand hinter sich zu bringen. Doch der Mann, der am Ende in ihrem Zimmer landet, ist kein Callboy sondern ein Juwelendieb, der ihre Situation ausnutzt und sie mit auf die Flucht nimmt- zu einem angeblichen Romantik-Special wie er vorgibt. Turbulent geht Mias Urlaub weiter, doch die geplante Entjungferung ist so nicht in Sicht.
„Callboy to go“ ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger Liebesroman mit durchaus liebenswerten Charakteren. Leider fand ich gerade Mia in sich als Figur oft nicht schlüssig, zu oft wechselt ihr Verhalten zwischen ängstlicher Mimose und tatkräftiger Karatekämpferin hin und her, als dass ich ihr das abnehmen könnte. Auch ihr Verhalten Chris, dem angeblichen Callboy, gegenüber fand ich nicht ganz nachvollziehbar, mal kriegt sie Herzklopfen und dann ist sie wieder wie eine Furie ihm gegenüber. Das hat die ganze Story für mich etwas holperig und schwer glaubwürdig gemacht. Ansonsten ist der Stil der beiden Autorinnen gewohnt locker und flüssig, die beiden vorhergehenden Bücher ("Three Night Stand: Liebe ist simpel" und "Imperfect Match: Liebe ist eigenwillig") haben mir jedoch deutlich besser gefallen.

Ina Linger und Cina Bard haben mit „Callboy to go“ eine kurzweiligen, wenn auch teilweise etwas unglaubwürdigen Liebesroman geschrieben, bei dem man zwar von Anfang an weiß, wie es ausgeht, dazwischen aber ganz gut unterhalten wird. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen auf der Seite der Autorin Ina Linger.