Donnerstag, 23. März 2017

Petra Durst-Benning "Die Blütensammlerin"

Endlich sind das zauberhafte Dorf Maierhofen im Allgäu und seine wunderbaren Bewohner zurück! Nachdem Christines Mann Herbert sie verlassen hat und ausgezogen ist, will er seine Frau jetzt aus dem Haus werfen, wenn sie nicht für die Kosten aufkommt. Eine Idee muss her und wie so oft in Maierhofen sind es Therese und Greta, die Christine auf die Sprünge helfen: Ein Bed & Breakfast muss her! Jahrelang hat sich Christine umsonst um ihre Familie gekümmert, jetzt soll sie endlich Geld für ihre Gastfreundschaft bekommen. Der in Maierhofen stattfindende Kochwettbewerb der Zeitschrift „Landliebe“ ist der perfekte Anlass, ihre Pension mit der Einladung eines Single-Kochteams in Szene zu setzen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch noch Schmetterlinge im Bauch gratis dazu?
Ich war schon von „Kräuter der Provinz“ und „Das Weihnachtsdorf“ hellauf begeistert, die Geschichten sind flüssig und mitreißend geschrieben und die Figuren wachsen einem einfach sofort ans Herz. Bei jeder anderen Autorin würde die Geschichte dieses Single-Kochwettbewerbs vielleicht kitschig wirken, aber Petra Durst-Benning schafft es wunderbar, allen Charakteren zu ihrem Glück zu verhelfen, ohne dass es langweilig oder zu vorhersehbar wird. Die Lektüre ist ein wirkliches Wohlfühlerlebnis, man hat einfach Spaß mit den Figuren und den Geschichten und mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe mich dieses Mal in viele neue Figuren verliebt und hoffe, dass es in Maierhofen bald weitergeht und ich wieder einen Leseausflug ins Allgäu machen darf.
Petra Durst-Bennings neuer Maierhofen-Roman „Die Blütensammlerin“ ist das perfekte Buch zum Entspannen, auf jeder Seite scheint einem die Sommersonne entgegen und man erholt sich regelrecht beim Lesen. Dieses Buch ist einfach wie ein kleiner Urlaub.  

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Blanvalet Verlags. 

Mittwoch, 22. März 2017

Isabelle Autissier "Herz auf Eis"

Louise und Ludovic erfüllen sich einen Traum, den viele Menschen haben: Sie nehmen ein Jahr Auszeit, um eine Weltreise mit dem Boot zu machen. Doch als sie auf einer Insel stranden, ohne Kontakt zur Außenwelt und völlig auf sich gestellt, bleibt vom modernen und zivilisierten Menschen nicht viel übrig. Es ist ein Kampf ums Überleben, mit- und auch gegeneinander.
„Herz auf Eis“ ist ein unglaublicher Roman, der tief in die Psyche des Menschen blickt und einen gruseln lässt. Das junge Paar kämpft darum, auf der Insel durchzuhalten und gleichzeitig können wir dabei zusehen, wie der Mensch immer ein wenig mehr zum Tier wird, wie Instinkte rationale Entscheidungen überlagern und am Ende jeder vielleicht doch nur sich selbst der Nächste ist. Diese Beschreibungen sind sehr bewegend und gehen einem beim Lesen teilweise sehr nahe, wenn aus dem sympathischen und lebensfrohen jungen Paar zerbrochene und psychisch angeschlagene Menschen werden. Mich hat der Stil von Isabelle Autissier unglaublich begeistert, sie nimmt einen so sehr mit in die Geschichte und man ist so dicht an den Protagonisten dran, dass man sich von der Story nicht mehr lösen kann. Und sie zwingt den Leser auch zu der Frage, die sich Louise und Ludovic stellen müssen, das „Was würde ich tun?“ schwingt die ganze Zeit im Hinterkopf mit und macht die Lektüre so besonders und faszinierend.
Isabelle Autissier schafft es mit ihrem Roman „Herz auf Eis“ den Leser völlig zu fesseln und nimmt ihn mit auf einen regelrechten Trip in die Psyche der Menschen. Was kann der Mensch und was kann die Liebe ertragen, ohne zu zerbrechen? Ich kann nur jedem empfehlen, dass junge Paar auf dieser extremen Reise zu begleiten. 

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Montag, 20. März 2017

Katarzyna Bonda "Das Mädchen aus dem Norden"

Sasza Zaluska war früher bei der polnischen Polizei, doch heute arbeitet sie als Profilerin und promoviert an der britischen Universität Huddersfield. Für ihr Forschungsprojekt geht sie zurück nach Polen und wird prompt in einen seltsamen Fall verstrickt. Sie wird als Profilerin angeheuert, um einige Unklarheiten rund um den Club „Nadel“ aufzuklären, bei dem der bekannte Musiker Jan Wisniewski Teilhaber ist, der mit dem Lied „Das Mädchen aus dem Norden“ seinen großen und einzigen Hit hatte. Als der plötzlich erschossen wird, bindet die Polizei Sasza in ihre Arbeit ein und schnell ist sie tiefer in den Fall verstrickt, als sie sich am Anfang vorstellen konnte.
Die Autorin Katarzyna Bonda nimmt einen von der ersten Seite des Buches an mit in die Geschichte und dann lässt sie einen schnell nicht wieder los. Dies liegt besonders an der sehr gut konstruierten Hauptfigur, die gar nicht langweilig daherkommt. Stück für Stück erfahren wir immer mehr über Sasza, warum sie den Polizeidienst quittierte und was es mit dem Vater ihrer Tochter Karolina auf sich hat. Der Stoff bietet sich wirklich an für eine Reihe, umso besser dass hinter dem Titel bei der Onlinerecherche gleich „Band 1“ auftaucht. Die Hoffnung auf mehr Fälle für Sasza Zaluska ist also berechtigt. Der Krimi selber ist sehr spannend geschrieben, es geht um mafiöse Strukturen in der Danziger Geschäfts- und Finanzwelt und die lang zurückliegenden Tode zweier Geschwister. Nur langsam klärt sich für den Leser die Verbindung auf. Teilweise empfand ich es etwas schwer nachzuvollziehen, welche Person gerade wo genau steht, da es ein sehr großes Personal ist, das Bonda in diesem Roman nutzt um die ganze Geschichte zu erzählen. Doch man kommt immer schnell wieder in die Story rein und mit der Zeit klären sich alle Verbindungen, so dass man der Geschichte immer besser folgen kann.
Katarzyna Bondas „Das Mädchen aus dem Norden“ war der erste polnische Krimi, den ich gelesen habe und er hat mir ausgesprochen gut gefallen. Stellenweise hätte ich mir eine etwas klarere Struktur gewünscht, aber alles in allem sehr spannend geschrieben mit einer tollen Protagonistin. Gerne mehr davon!

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Freitag, 17. März 2017

Felicitas Gruber "Zapfig. Ein Fall für die Kalte Sophie"

Dr. Sophie Rosenhuth ist sowohl beruflich als Rechtsmedizinerin als privat stark gefordert. Mit ihrem Ex-Mann und Polizeikommissar Joe Lederer nähert sie sich zwar wieder an, doch so schnell wie der wieder mit ihr zusammenziehen will, ist Sophie skeptisch. Und die Wohnungssuche in München ist bekanntlich auch nicht einfach. Zeitgleich sind beide eingebunden in die Ermittlungen in einem Mordfall: Die Verlobte des Brauereierben Tobias Roßhaupter und gleichzeitig Sekretärin im Betrieb wird nach ihrem Junggesellenabschied tot in der Wohnung gefunden. Und so nett wie die Kolleginnen am Anfang noch alle getan haben, fand sie wohl doch keiner, wie sich bei den Ermittlungen schnell herausstellt. Denn der gut situierte Erbe hat allen Damen in der Firma schon einmal schöne Augen gemacht. Da ist der Mörder oder die Mörderin nicht leicht zu finden.
„Zapfig“ von Felicitias Gruber ist zwar nicht der erste Fall für die Kalte Sophie, aber der erste den ich gelesen habe. Dennoch ist der Einstieg schnell und einfach gelungen und man war sofort mittendrin in der Story. Das liegt auch an den tollen Figuren, denn Sophie ist unglaublich sympathisch und ihren Freund Joe mochte ich gleich, auch wenn manchmal ein bisschen eifersüchtig ist. Doch ebenso all die Nebenfiguren wie Spike, der Helfer in der Rechtsmedizin oder die Chefin von Sophie (genannt Dr. Iglu), die an Ignoranz und Kälte kaum zu überbieten ist, sind sehr detailliert beschrieben und machen die Geschichte richtig lebendig. Obwohl ich zu München eigentlich keinen Bezug habe, hat mir das Lokalkolorit sehr gut gefallen und der bayrische Dialekt war für mich als Nordlicht sehr gut zu verstehen. 
Mir hat „Zapfig“ von Felicitas Gruber ausgesprochen gut gefallen, die Geschichte ist humorvoll und gleichzeitig spannend geschrieben und die Zeit flog bei Lektüre nur so dahin. Blitzschnell hatte ich das Buch durch, zum Glück kann ich die noch die vorhergehenden Bände der Kalten Sophie nachholen. 

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Donnerstag, 16. März 2017

Paul Auster "4 3 2 1"

Archie Fergueson - ein Leben, vier Varianten. In seinem neuen und äußerst umfangreichen Roman „4 3 2 1“ erzählt Paul Auster die Geschichte eines Enkels jüdischer Einwanderer, geboren in Newark 1947. Doch er erzählt das Leben von Archie nicht linear, sondern in all seinen Möglichkeiten. „4 3 2 1“ - genau so viele Möglichkeiten erschafft er rund um die Hauptfigur und spielt sie in ihren Varianten durch. Wie könnte sich Archies Leben entwickelt haben, wenn er oder seine Eltern an eben dieser oder jener Kreuzung im Leben eine andere Entscheidung getroffen hätten?
Paul Austers neuer Roman ist ein wahres Meisterwerk und trifft meiner Meinung nach perfekt den Ausdruck des großen amerikanischen Romans. Er schafft es, mit dem Leben von Archibald Fergueson eine prägende Phase der amerikanischen Geschichte zu beschreiben, die Zeit der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki bis zum Vietnamkrieg, die Präsidentschaft Kennedys und sein Tod spielen ebenso eine Rolle wie Krieg in Korea und die Studentenunruhen Ende der 60er Jahre. Das besonders Spannende ist hierbei, dass die Leben der vier Archibalds, wenn man es denn so nennen will, sich nicht so grundlegend unterschiedlich entwickeln, dass es unglaubwürdig werden könnte. Im Gegenteil, es sind Nuancen, die sie voneinander trennen und sie gleichzeitig so unterschiedlich machen. Die Erfahrung in einer intakten Familie aufzuwachsen oder den Vater früh zu verlieren, die Unterstützung, die man aus dem Bekanntenkreis bekommt und die bestimmte Talente besonders fördert, und die Mädchen, die entweder zur großen Liebe oder zur angehimmelten Stiefschwester werden können. All diese kleinen Unterschiede machen die Lektüre dieses Romans so unglaublich spannend und nie langweilig, auch wenn die über 1200 Seiten, auf denen Auster sein großes Werk ausbreitet, eine wirklich Herausforderung sind. 
Davon sollte man sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen, Paul Austers Roman „4 3 2 1“ ist auf eine besondere Art herausragend, ein Meisterwerk und Lebenswerk zugleich, das sich mit nichts vergleichen lässt, das ich bisher gelesen habe. Viele biographische Elemente von Archie lassen sich auch im Lebenslauf von Paul Auster wiederfinden und zum Schluss verschmelzen beide Figuren, der Autor und der Erzähler, quasi miteinander, wenn sie die Intention des Buches erklären. Für mich bleibt abschließend nur zu sagen, dass ich dieses Roman von Paul Auster für grandiose Literatur halte, ein Buch, dass niemals wirklich abgeschlossen ist und einem als Leser weiterlebt und arbeitet. 

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Cora Stephan "Ab heute heiße ich Margo"

Margo und Helene lernen sich in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts kennen, Hitler ist an der Macht und während die junge Margo sich für ihn durchaus erwärmen kann, lebt Helene mit ihren jüdischen Wurzeln in ständiger Angst. Sie arbeiten gemeinsam bei Photo-Werner in Stendhal, doch die Wirren des Zweiten Weltkriegs trennen sie. Helene überlebt das Lager in Buchenwald und lebt nach dem Krieg in der DDR, während Margo sich mit ihrem Mann Henri in Westdeutschland eine neue Existenz aufbaut. Doch das Leben ist nicht einfach, Henri vom Krieg regelrecht zerstört und Margos Ehrgeiz treibt sie immer weiter, weg von ihrer Familie und ihrem Mann. Doch etwas verbindet das Leben von Helene und Margo trotz der deutschen Teilung für immer: Margos Tochter Emma, die sie kurz nach Kriegsende geboren hat. 
Ich habe „Ab heute heiße ich Margo“ als Hörbuch gehört, gelesen von Tanja Fornaro. Leider konnte mich die Geschichte nicht ganz überzeugen, obwohl sie von der Erzählerin wirklich großartig vorgetragen würde. Fornaro vermittelt über ihre Stimme sehr viel über die Figuren, so dass sie einem schnell ans Herz gehen. Leider fand ich dieses sehr lange Hörbuch von über 18 Stunden jedoch nicht gut aufbereitet. Viele Übergänge waren beim Hören unklar und einige Zeitsprünge nicht nachvollziehbar. Zwar wechselt es deutlich hörbar zwischen den verschiedenen Hauptfiguren, zu denen später auch Margos Tochter Leonore hinzukommt. Doch oft war einfach nicht deutlich, wieviel Zeit zwischen den Abschnitten vergangen ist, was das Hören etwas mühsam machte. Auch war mir die Geschichte nicht spannend genug, um sie über so lange Zeit zu erzählen. Zwar finde ich den Ansatz, zwei Frauengeschichten über die ganze spannende Epoche der dreißiger Jahre bis zu Beginn des neuen Jahrtausends hin zu erzählen sehr gut, dafür hätte meiner Meinung nach aber einfach mehr passieren müssen. So hatte die Geschichte als Hörbuch einige Längen, die einen einfach stören. 
Alles in allem fand ich das Hörbuch zu „Ab heute heiße ich Margo“ nicht schlecht, die Stimme von Tanja Fornaro passt auf jeden Fall hervorragend dazu. Ich hätte für das Hörbuch jedoch eine Kürzung auf maximal 9 bis 10 Stunden empfohlen, so war es einfach zu lange und stellenweise auch zu langweilig. 

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Der Roman ist erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag, das Hörbuch gibt es exklusiv bei Audible

Dienstag, 14. März 2017

Knut Krüger "Nur mal schnell das Mammut retten"

Henry hätte so gerne einen Hund, doch seine Eltern lassen sich einfach nicht überzeugen. Wütend fährt er mit dem Fahrrad durch den Wald, als er plötzlich das Gleichgewicht verliert. Sein Fahrrad ist irgendwo hängen geblieben und Henry gestürzt. Das Hindernis am Waldboden entpuppt sich als Stoßzahn eines kleinen Mammuts, das offensichtlich fast erfroren ist. Klar, dass Henry ihm helfen muss. Schnell holt er seine Freunde Finn und Zoe dazu und gemeinsam verstecken sie das Mammut in Henrys Zimmer. Zum Glück sind Ferien, seine Eltern fahren in den Urlaub und nur seine Großmutter ist da, um auf ihn aufzupassen. Doch wie soll es jetzt weitergehen, mit einem kalten Mammut im Kinderzimmer?
Knut Krüger hat mit „Nur mal schnell das Mammut retten“ ein ganz zauberhaftes Buch für große und kleine Leser geschaffen. Das kleine Mammut muss man einfach lieben und Henry, Finn und Zoe entpuppen sich als wirklich gute Freunde, die zusammenhalten und gleichzeitig das Beste für das Mammut wollen. Dabei bleibt auch der moralische Aspekt nicht auf der Strecke, viele Themen werden angesprochen, zum Beispiel was eigentlich wirklich gut für ein Haustier ist, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und dass man nicht immer glauben darf, was über andere Menschen erzählt wird. Dazu gibt es noch einige niedliche Illustrationen des Mammuts, die immer zu Beginn des Kapitels stehen und einfach großartig sind. Schon bei der Betrachtung muss man lachen und das kommt während des Lesens immer wieder. Zu süß und manchmal auch schräg ist es, was die drei Freunde versuchen, um das Mammut vor der Oma zu verstecken und es gleichzeitig zu retten.

„Nur mal schnell das Mammut retten“ von Knut Krüger ist meiner Meinung nach ein tolles Buch, das nicht nur Kinder begeistert. Es vermittelt wichtige Werte, ohne mit der moralischen Keule daherzukommen und ist sehr lustig und spielerisch, einfach eine tolle Geschichte für junge und alte Leser. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen von dvt junior.