Dienstag, 15. August 2017

Julia Zange "Realitätsgewitter"

Marla ist einsam. Einsam auf Partys, einsam in Mitten von Facebook-Freunden und Dating-Apps. Obwohl sie immer unterwegs ist und in einer WG wohnt, scheint sie niemandem etwas zu bedeuten. Und niemand bedeutet ihr etwas. Immer trauriger wird sie und driftet ab, bis sie nach einer missglückten Familienfeier am Strand von Sylt landet. Und wieder nur jemanden sucht, der gegen ihre Einsamkeit hilft. Doch nichts hilft.
Julia Zange hat mit „Realitätsgewitter“ einen sehr eindringlichen Roman geschrieben, der einen mitten ins moderne Berlin führt. Eine Großstadt, in der immer was passiert und man jederzeit Leute treffen kann, ein echtes Realitätsgewitter, das auf Marla einprasselt. Sie zeigt aber auch die unglaubliche Einsamkeit einer Generation, die sich über Facebook-Freunde definiert und abhängig ist vom Klingeln des Handys, das die eigene Existenzberechtigung darstellt. Mein Handy klingelt, also bin ich. Marla kämpft sehr bewegend gegen die damit einhergehende Traurigkeit an, das Fehlen jeglicher konstanter und emotionaler Beziehung, ohne einen richtigen Ansatzpunkt zu finden.

„Realitätsgewitter“ von Julia Zange ist ein Roman, der perfekt in die Zeit passt und das Leben und Empfinden vieler Personen diese Generation wiederspiegelt. Enttäuscht hat mich der Schluss, der meiner Meinung nach simpel und nicht konsequent genug war, um diesen Text gerecht zu werden. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Verlags. 

Elizabeth Freemantle "Im Schatten der Königin"

Nach dem Tod von Edward VI. im Jahr 1554 gibt es eine Art Vakuum im englischen Königshaus, die Thronfolge ist nicht geklärt. So wird Jane Grey aus der Linie der Tudors auf den Thron gesetzt. Sie ist Reformatorin und hat sich dem Katholizismus abgewendet wie schon Heinrich VIII. Doch ihre Cousine Mary, Tochter von Heinrich dem VIII. und strenge Katholikin stürzt sie und lässt sie im Tower hinrichten. Dennoch hält sie Janes Schwestern Katherine und Mary bei Hofe in ihrer Nähe, um sie im Blick zu haben. Die beiden sind sehr unterschiedlich, Mary sehr nachdenklich, Katherine impulsiv und leidenschaftlich. Doch beide Leben sie im Schatten der Königin, erst von Mary, dann von ihrer Nachfolgerin Elizabeth.
Elizabeth Freemantle beschreibt sehr anschaulich und detailliert das Leben der Schwestern bei Hofe, die unter ständiger Beobachtung stehen. Da weder Königin Mary noch später Königin Elizabeth I. Kinder bekamen, blieb die Thronfolge immer ungeklärt und die Greys durch ihre direkte Verwandtschaft mit den Tudors eine ständige Gefahr für die Königin. So wünscht sich eine der Grey Schwestern an einer Stelle, sie könnte sich selbst so lange zur Ader lassen, bis keine Tropfen des verfluchten Tudorbluts mehr in ihr wäre, um endlich frei zu leben und eigene Entscheidungen zu treffen. Stattdessen sind sie gezwungen, wie Schoßhunde bei der jeweiligen Königin zu leben, ständig abhängig von ihren Launen. Freemantle erzählt die Geschichte der Mädchen mit viel Kraft und einer fließenden Sprache, die einen sofort in die Geschichte hineinzieht und nicht mehr loslässt. Dabei lässt sie viele historische Fakten mit einfließen, nimmt sich wenn nötig jedoch auch die Freiheit, fiktive Elemente zu schaffen.

„Im Schatten der Königin“ von Elizabeth Freemantle ist ein großartiger historischer Roman, der einem viel von einer Epoche erzählen kann, aber auch die Protagonisten wunderbar in den Vordergrund hebt. Katherine und Mary sind Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, ganz unabhängig von Intrigen und Machenschaften von Königin und Kronrat. Mich hat das Buch begeistert, es gibt einen tollen Einblick in die englische Geschichte in turbulenten Zeiten. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und zur Leseprobe des C.Bertelsmann Verlags. 

Dienstag, 8. August 2017

Martin Walker "Bruno Chef de Police"

Der erste Fall für Bruno, Chef de Police: der Großvater des örtlichen Rugbystars Karim wird ermordet in seinem Haus aufgefunden, der alte Mann kam ursprünglich aus Algerien, in seine Brust hat sein Mörder ein Hakenkreuz geritzt. Alles sieht nach einem rassistischen Verbrechen gegen Einwanderer aus, doch Bruno gibt sich mit der einfachen Antwort nicht zufrieden und gräbt ein bisschen weiter, bis er überraschende Entdeckungen macht. Unterstützt wird er dabei unter anderem von der hübschen und ehrgeizigen Inspectrice Isabelle, die einigen Schwung in Brunos beschauliches Leben bringt.
Da ich schon zwei spätere Bände der Bruno-Reihe von Martin Walker gelesen hatte, freut es mich besonders, jetzt einige Dinge der Vorgeschichte geklärt zu bekommen. So erfährt der Leser beispielswiese, dass Bruno gar nicht sein wirklicher Name ist sondern Benoit, und warum er sich in Saint-Denis so heimisch fühlt. Doch auch ohne schon etwas über Bruno gelesen zu haben, ist es einfach ein sehr guter Krimi. Der Fall ist spannend und gut konstruiert, so dass man als Leser die ganze Zeit miträtselt, während einem Bruno und Saint-Denis immer weiter ans Herz wachsen. Die Krimis von Martin Walker leben auch von ihren Beschreibungen der Menschen, des Lebens und natürlich auch des Essens, das für Bruno so wichtig ist. Er ist zwar Polizist und setzt sich voll für seine Fälle ein, aber er weiß das Leben zu genießen, ob mit Freunden oder einer schönen Frau. Mich hat Walker mit diesem Krimi voll überzeugt, er ist spannend und zeigt doch das Lebensgefühl von Bruno auf allerschönste Weise.
Wer sich auf den wunderbaren Stil von Martin Walkers Krimi einlässt, muss sich einfach in Bruno und das Périgord verlieben. Ich kann diesen Krimi nur jedem ans Herz legen, der etwas Besonderes sucht, das sich sehr positiv von wilden Verfolgungsjagden und Schießereien in Krimis abhebt. „Bruno Chef de Police“ schafft beim Lesen besondere Momente und nimmt einen als Leser voll mit in eine wunderbare Welt, die nur gelegentlich von einem Kriminalfall unterbrochen wird. Jeder sollte sich schnell auf diese Reise begeben. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Montag, 7. August 2017

Kristina Ohlsson "Bruderlüge"

Der Fall Sara Texas geht für Martin Benner weiter! Doch jetzt steht nicht mehr Sara, sondern ihr verschwundener Sohn Mio im Vordergrund. Lucifer hat Benner beauftragt, ihn zu finden, sonst droht er seiner Adoptivtochter Belle etwas anzutun. Gemeinsam mit seiner Kollegin Lucy macht sich Benner auf die Suche nach Mio, während ihm gleichzeitig mehrere Morde angehängt werden sollen. Wer zieht hier nur die Fäden im Hintergrund und versucht, Martin Benners Leben zu zerstören?
„Bruderlüge“ ist der zweite Band von Kristina Ohlsson um den Anwalt Martin Benner, der in den Selbstmord von Sara Texas hineingezogen wird, die zuvor fünf Morde gestanden hat. Benner gerät ohne eigenes Zutun in dieses Durcheinander und hat nur Lucy an seiner Seite, um den Fall zu lösen. Die Polizei wendet sich gegen ihn und wer ihm helfen will, ist kurz danach tot. Die Autorin treibt die Spannung in diesem Band auf die Spitze, scheint sich doch die ganze Welt gegen den Anwalt verschworen zu haben, ohne dass er die geringste Idee hat, warum. Das Ende ist dafür umso fulminanter und unvorhersehbarer. Benner ist nicht unbedingt eine sympathische Figur, trotzdem fühlt und leidet man mit ihm und wird angesichts seiner Hilflosigkeit immer wütender. Ich konnte irgendwann gar nicht mehr aufhören weiterzulesen, da ich unbedingt wissen wollte, was hinter dieser Verschwörung eigentlich steckt und vor allem, wer der geheimnisvolle Lucifer ist.

Kristina Ohlsson hat mit „Bruderlüge“ einen großartigen Thriller geschrieben, mitreißend und spannend von der ersten bis zur letzten Seite, der mir noch besser gefallen hat als der erste Band „Schwesterherz“. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Limes Verlag. Meine Rezension zum ersten Band "Schwesterherz" könnt ihr hier nachlesen. 

Samstag, 5. August 2017

Nana Claudia Nenzel "Oberitalien"

Oberitalien ist eine große Gegend, reicht da wirklich ein Reiseführer? Wir sind das Risiko eingegangen, eine Woche waren wir zwar nur unterwegs, dafür aber völlig ohne Plan, einfach losgefahren und geschaut, wohin es uns verschlägt. Dafür war dieser Reiseführer wirklich perfekt, auch wenn wir stellenweise immer zusätzlich das Internet zu Rate gezogen haben.
Natürlich kann dieser Reiseführer nur einen Überblick bieten, aber das tut er sehr detailliert und ist besonders für Individualtouristen sehr geeignet. Von den Städten wie Verona hat man auch immer gleich einen Stadtplan dabei, war ich sehr praktisch fand und während der Fahrt konnte man schauen, was gerade in der Nähe ist und was sich zu besuchen lohnt. Von einigen sehr schönen Städten wie Mantua und Brescia, die wir besucht haben, hätte ich mir noch zusätzlich einen kleinen Stadtplan gewünscht. Dass man dies aufgrund der Vielzahl der Städte dann reduziert hat, kann ich jedoch gut nachvollziehen.
Besonders schön sind auch die sehr übersichtlich beschriebenen Wanderrouten, schöne Strecken, die man mit dem Auto fahren kann und die Hinweise zu Leben und Küche in den jeweiligen Regionen. Dort werden viele Details beschrieben, die wir dann auch vor Ort wiedergefunden haben.

Für Rundreisen ist dieser Reiseführer Oberitalien perfekt und ich kann ihn nur weiterempfehlen. Vor Ort lohnt sich immer der Besuch in der Touristeninformation, die fast immer ergänzend einen Stadtplan und Erklärungen umsonst zu vergeben haben, so dass wir damit die perfekte Kombination gefunden hatten. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des DuMont Reiseverlags. 

Freitag, 4. August 2017

Annie Darling "Der kleine Laden der einsamen Herzen"

Posys Eltern starben bei einem Unfall, als sie 21 Jahre alt war und seit dem kümmert sie sich um ihren jüngeren Bruder Sam und arbeitet im Buchladen Bookends. Als deren Besitzerin Lavinia stirbt, hinterlässt sie Posy den Buchladen und die Wohnung, in der sie mit Sam lebt. Zwei Jahre hat sie laut Testament Zeit, den Laden wieder zum Laufen zu bringe, bevor er an Lavinias arroganten und verzogenen Enkel Sebastian übergeht. Posy schmiedet einen Plan, doch Sebastian funkt mit seiner überheblichen immer wieder dazwischen und treibt sie in den Wahnsinn. Wird Posy es mit ihren Freunden schaffen, den Buchladen auf einen neuen Weg zu bringen?
Annie Darlings Roman „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ ist eine zauberhaft, liebevoll geschriebene Geschichte über eine junge Frau, die ihren Platz im Leben sucht und dabei nie wirklich den Tod ihrer Eltern verwinden konnte. Sie hat sich zwar in einer Nische ihres Lebens eingerichtet, doch ansonsten flieht sie in die Welt der Liebesromane und Geschichten, die ihr die Realität vom Hals halten. Ganz langsam holt die Autorin Posy aus ihrer Ecke raus und schubst sie in die Realität. Sie muss Verantwortung übernehmen, nicht mehr nur für ihren Bruder, sondern für ein Geschäft und die Arbeitnehmer, die ihre besten Freunde sind. Ihr Gegenspieler Sebastian kann einen beim Lesen ähnlich in den Wahnsinn treiben, wie er es mit Posy tut, so arrogant, überheblich, selbstverliebt und unausstehlich wie er ist. Die Lektüre ist äußerst kurzweilig und unterhaltsam und für alle Bücherfans sowieso ein Muss, denn Posys Liebe zum Buchladen haben wohl alle Leseratten schon einmal gespürt, wenn sie durch die Bücherregale ihrer Lieblingsbuchhandlung streifen und völlig beladen mit neuen Geschichten danach wieder gehen.
„Der kleine Laden der einsamen Herzen“ von Annie Darling ist eine wunderbare Geschichte über Liebe, Freundschaft und Verantwortung, die einfach ans Herz geht und zum Schmökern einlädt. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen im Penguin Verlag. 

Donnerstag, 3. August 2017

Rebecca Hunt "Everland"

Zwei Antarktisexpeditionen, 1913 und 2012, erforschen die Everland in der Antarktis und dies stellt alle Beteiligten vor ähnliche Herausforderungen: Kälte, soziales Umfeld, das ewige Eis, all das bringt die Teilnehmer an die Grenzen ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit.
Rebecca Hunt stellt in ihrem Roman „Everland“ die zwei fiktiven Expeditionen gegenüber und berichtet über Probleme und Erfolge. Als Leser springt man immer wieder zwischen den 100 Jahren Zeitunterschied hin und her und trotz der völlig veränderten Ausrüstung und Arbeit sind die Ähnlichkeiten der Wahrnehmung der Teams verblüffend. Die Autorin schafft es auf beeindruckende Weise in feinen Nuancen Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszuleuchten und den Leser so auf eine beeindruckend Reise in die Antarktis zu schicken. Leider beginnt die Geschichte etwas schleppend und ich habe lange gebraucht, bis mich die Umsetzung dieser großartigen Idee richtig fesseln konnte. Besonders bei der älteren Expedition hatte ich Probleme, eine Beziehung zu den Personen aufzubauen, so dass mich die Geschichte nicht richtig mitgenommen hat. Gegen Ende nahm der Plot jedoch gewaltig an Fahrt auf und wurde sehr spannend, so dass die Geschichte nur so dahin flog und ich am Ende doch sehr von dem Buch gefangen genommen wurde.
„Everland“ von Rebecca Hunt ist ein beeindruckender Roman, hinter dem eine sehr gute kreative Idee steckt. Lediglich der Anfang des Romans war mir etwas zu langatmig, so hat es etwas gedauert, bis mich die Story richtig packen konnte.  

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Luchterhand Verlags. 

Mittwoch, 2. August 2017

Fiona Blum "Frühling in Paris"

Louise Barclay kommt aus London nach Paris, wild entschlossen ein neues Leben anzufangen. Von ihrer Tante hat sie eine Wohnung und eine alte Bäckerei geerbt, jetzt muss sie nur überlegen, was sie damit anfangen will. Mit ihrer fröhlichen Art bringt sie wieder Leben in die Rue Estelle und ihre Bewohner auf Trab. Alle fühlen sich von ihr angetrieben und suchen einen Sinn in ihrem Leben, während Louise feststellt, dass sie gar nicht weiß, was sie eigentlich vom Leben will.
Fiona Blums Roman „Frühling in Paris“ ist eine bezaubernde Geschichte über eine junge Frau, die das Leben ihrer Mitmenschen bereichert, ohne selbst zu wissen, wohin sie eigentlich will. Louise ist sehr liebenswert, aber auch naiv und stürzt sich ständig in neue Projekte. Damit lenkt sie sich selbst eigentlich nur davon ab, dass sie gar nicht weiß, was sie vom Leben erwartet, was ihr Traum ist. In Paris bekommt sie die Chance, endlich etwas zu finden, was sie wirklich ausfüllt und Menschen zu treffen, die ihr als wahre Freunde zur Seite stehen. All dies beschreibt die Autorin mit einer wundervollen, fast verträumten Sprache, die sehr gut zu Louise passt. Besonders die bildhaften Beschreibungen von Louises Emotionen haben mich begeistert, so vergleicht sie beispielsweise Gespräche mit ihrer Mutter mit einem Regenguss, der einen bis auf die Knochen durchnässt. Ihre Art damit umzugehen ist, ihrer Mutter einfach nur Bruchstücke aus ihrem Leben zu erzählen, damit nicht all ihre Hoffnungen in der Anwesenheit ihrer Mutter geradezu ertrinken.
„Frühling in Paris“ ist eine wunderschöne Geschichte, liebevoll geschrieben und mit einer eindrucksvollen Hauptperson besetzt. Louise Barclay bleibt einem im Kopf, auch wenn das Buch schon längst beendet ist. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Goldmann Verlags. 

Dienstag, 1. August 2017

Jana Lukas "Landliebe"

Elisabeth hat ein Problem: Sie lebt in München, ist arbeitslos und hat auch noch Schulden, weil sie in ihrem alten Job ein teures Kunstwerk zerstört hat, was sie für wertlosen Müll hielt. Die Lösung bringen soll die Teilnahme bei der Fernsehshow „Landliebe“, für zehntausend Euro soll sie sich mit dem Winzer Tom verkuppeln lassen. Der ist jedoch ebenfalls nicht auf der Suche nach der großen Liebe, sondern braucht das Geld, um den Hof seiner Familie zu retten. Zwei Welten prallen aufeinander und es ist fraglich, wie diese beiden für die Kameras eine Liebesshow aufführen sollen. Zum Glück gibt es noch Toms Bruder Eric und seine Frau Rina, die mehr als einmal vermittelnd eingreifen, wenn die beiden aneinandergeraten.
„Landliebe“ von Jana Lukas ist ein leichter Liebesroman, der sich durch sehr sympathische Figuren auszeichnet. Sowohl die Hauptfiguren Tom und Elisabeth als auch das Nebenpersonal sind mit viel Liebe der Autorin detailliert beschrieben und wachsen einem schnell ans Herz. Auch einen Gegenspieler zum Winzer Tom gibt es natürlich, dem aber nicht unnötig viel Raum eingeräumt wird, so dass sich der Plot wirklich auf Tom und Elisabeth und die Fernsehshow konzentriert. Dadurch lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen und macht viel Freude. Große Überraschungen bei der Story gibt es nicht, aber das empfinde ich bei dieser Art von Roman gar nicht als schwierig. Man weiß was man bekommt und fühlt sich gut aufgehoben mit dem Buch.

Jana Lukas Roman „Landliebe“ ist eine schöne und leichte Unterhaltung, perfekt für den Sommerurlaub geeignet und um die Seele baumeln zu lassen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Heyne Verlags. 

Montag, 31. Juli 2017

Uwe Wilhelm "Die sieben Farben des Blutes"

Staatsanwältin Helena Faber, einst jüngste Staatsanwältin Deutschlands, arbeitet an einem kniffligen Fall: Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und bringt Frauen brutal um. Die Frauen scheinen eins gemeinsam zu haben: Sie alle setzen sich für die Frauenrechte ein und wurden während ihrer Menstruation umgebracht. Nach drei Morden scheint der Mörder seine Arbeit beendet zu haben, bis das Morden plötzlich wieder beginnt und Polizei und Staatsanwalt nach wie vor im Dunkeln tappen.
Mir hat Uwe Wilhelms „Die sieben Farben des Blutes“ gefallen, weil der Krimi wirklich komplex und gut ausgearbeitet ist. Helena Faber ist eine sympathische, aber nicht fehlerfreie Protagonistin, die zwischen Familie und Karriere hin- und hergerissen ist. Ihr Ex-Mann ermittelt bei der Polizei und so geraten die beiden beruflich immer wieder aneinander. Helena verbeißt sich regelrecht in die Ermittlungen zum Serienmörder, der sich Dyonisos nennt. Durch verschiedene Umstände wird sie irgendwann vom Fall abgezogen und auch noch persönlich in die Morde verstrickt, was die Spannung weiter steigen lässt. Ein Kritikpunkte von mir ist allerdings, dass schon zu früh durch Hinweise deutlich wird, wer wirklich hinter Dyonisos steckt, da hat es sich der Autor für mich etwas zu einfach gemacht.

„Die sieben Farben des Blutes“ von Uwe Wilhelms ist ein guter und spannender Krimi über einen brutalen Serienmörder, der hauptsächlich vom vielschichtigen Charakter und den persönlichen Verwicklungen der Hauptfigur Helena Faber profitiert. Solide geschrieben und entwickelt, aber nicht überwältigend. 

✮✮✮✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Blanvalet Verlags und zur Leseprobe

Sonntag, 30. Juli 2017

Anthony McCarten "Licht"

Edison ist der berühmte Erfinder der Glühbirne, er ist Forscher und Entdecker, Entwickler auf höchsten Niveau. Und er ist wild entschlossen, gemeinsam mit dem Investor Morgan, seine Erfindung  der Glühbirne für Gleichstrom gegen seinen Konkurrenten Westinghouse, der Wechselstrom verwendet, durchzusetzen und scheut auch nicht vor einem dreckigen Kampf zurück. Am Ende seines Lebens blickt er zurück, und muss sich die Frage stellen, ob es das wirklich alles wert gewesen ist. 
Anthony McCarten beschreibt in seinem Roman "Licht" den spannenden Kampf um die Herrschaft des Stroms und eine Zeit, in der an jeder Ecke eine Erfindung zu warten schien. Edison verliert sich in diesem Kampf gewissermaßen selbst und lässt sich vom reichen Magnaten Morgan steuern, der alles tut, um  Geld zu verdienen, unabhängig von Moral und Anstand. Ob Edison in Wirklichkeit so passiv war, wie er hier dargestellt wird, sei einmal dahingestellt. Graham Moore beschreibt ihn in seinem Roman "Die letzten Tage der Nacht" hingegen als herrschsüchtigen und ignoranten Menschen, der selbst einfach nur Erfolg haben will. Dem gegenüber steht hier ein Edison, dem es eher um den ideellen Wert des Erfindens geht, darum die Menschheit voranzubringen, ohne unbedingt selbst nutzen darauf zu ziehen. So oder so ist er der gefeierte Erfinder der Glühbirne, dessen Namen auch heute noch fast jeder kennt. Seine Geschichte beschreibt McCarten sehr bewegend und nimmt einen mit auf eine Reise mit dem Erfinder Thomas Alva Edison, der ein abwechslungsreiches Leben hatte, das einem als Leser unweigerlich berührt. Seine Gedanken am Ende gehen nicht spurlos an einem vorbei und McCarten schafft es, uns diesen einzigartigen Mann ganz nahe zu bringen. 
Mich hat "Licht" von Anthony McCarten beim Lesen begeistert, gerade auch weil es so völlig anders geschrieben ist als Graham Moores "Die letzten Tage der Nacht", obwohl beide auf faszinierende Art das gleiche Thema behandeln. Ein großartiger Roman über einen ganz besonderen Menschen, dem wir auch noch heute viel verdanken. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags und hier zur Rezension von Graham Moores Roman "Die letzten Tage der Nacht", der das gleiche Thema behandelt. 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Mariana Leky "Was man von hier aus sieht"

Wenn Selma von einem Okapi träumt, wird im Dort jemand sterben, das hat die Erfahrung gezeigt. Der neueste Okapi-Traum von Selma sorgt dementsprechend für Panik, Überreaktionen und Kurzschluss- handlungen. Jeder will noch einiges geklärt haben, wenn es ihn eventuell erwischt. Doch was dann wirklich passiert, damit hatte keiner gerechnet und die Erzählerin Luise wirft es vollständig aus der Bahn, da kann auch Selma, ihre Großmutter und der wahrscheinlich wunderbarste Mensch in ihrem Leben, ihr nicht helfen. Beim besten Willen nicht.
„Was man von hier aus sehen kann“ ist eine wunderschöne Geschichte über ein Mädchen, dass sich völlig verkriecht in einem Leben, dass sie kennt und ihr keine Unsicherheit bietet, bis das Leben selbst sie zwingt, diese Wohlfühlzone zu verlassen und in die Wirklichkeit hinauszugehen. Die Autorin Mariana Leky schafft hierfür ganz wundervolle Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen und die Geschichte so nah und unmittelbar erlebbar machen. Luise hat das ganz Dorf als Freunde und Familie: Selma, den Optiker, die abergläubige Elsbeth, die immer schlecht gelaunte Marlies und den ununterbrochen Bibelverse zitierenden Palm. Was stört es da schon, dass ihre eigentlichen Eltern viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um sich um das Mädchen zu kümmern, dass sich in ihren einfachen Strukturen eingerichtet hat. Luise ist eine sehr empfindsame und liebenswerte Figur, die es sehr schwer hat, ohne es vielleicht selbst zu bemerken. Ich hatte beim Lesen der Geschichte das Gefühl, dass Luise als Ich-Erzählerin ihr Leben als absolut selbstverständlich annimmt und keineswegs bewusst damit hadert.
Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein ergreifendes und berührendes Buch, dass einem ganz nah kommt und einen gefangen nimmt. Sie beschreibt ein fast trauriges Leben auf unglaublich schöne und positive Art und entführt einen ohne zu Fragen restlos in die Welt von Selma, Luise und dem Okapi. Bewegend, nah und einfach nur wunderschön. 

✮✮✮✮✮

"Was man von hier aus sehen kann" erscheint am 18. Juli 2017 im Dumont Verlag. Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags. 

Dienstag, 11. Juli 2017

Lee Child "Der letzte Befehl"

In seinem neuesten Fall für Jack Reacher entführt Lee Child seine Leser in die Vergangenheit! „Der letzte Befehl“ spielt zeitlich vor den anderen Bänden und beschreibt den letzten Einsatz, den Reacher für das Militär ausgeführt hat. Er wird in eine Kleinstadt in Mississippi geschickt, wo eine junge Frau ermordet wurde. Verdächtigt wird der Sohn eines angesehenen Politikers, der vor Ort beim Militär stationiert ist und gerade Karriere macht. Reacher soll die örtliche Ermittlerin in Schach halten und herausfinden, ob der Täter wirklich Militärangehöriger ist. Doch vor Ort stellt sich die Situation anders da als erwartet, denn statt einer erwarten Reacher drei Leichen und eine hochattraktive Ermittlerin, die sich nicht in die Karten schauen lässt.
Der neueste Band der Jach-Reacher-Reihe hat mich beim Lesen wirklich umgehauen, es war so spannend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Reacher ist ein sehr eigenwilliger Typ, aber diese Geschichte klärt jetzt seine Vergangenheit auf, wie seine Enttäuschung vom Militär zu erklären ist und warum er bei der Militärpolizei eigentlich aufhörte. Das alles umgibt einen sehr spannenden Kriminalfall, der mit einigen Überraschungen glänzen kann und einen so oft auf die falsche Fährte schickt, bis Reacher als Ermittler uns Leser wieder einsammelt und an seinen Schlussfolgerungen teilhaben lässt. Mit der Ermittlerin Devereux hat Lee Child seinem Protagonisten eine Figur gegenübergestellt, die ihm eindeutig das Wasser reichen kann. Sie ist nicht nur attraktiv, was Reacher mehr verwirrt als er zugeben will, sondern auch hochintelligent und hat selber Erfahrung bei der Army. Das erhöht die Spannung und den Lesespaß, denn es ist nie ganz klar, ob die beiden jetzt eigentlich Partner oder Gegenspieler sind.

Mir hat „Der letzte Befehl“ von Lee Child sehr gut gefallen, die Story ist spannend und gut beschrieben und Reacher polarisiert als Figur sehr stark, was die Handlung vorantreibt. Ich kann das Buch allen Krimi- und Thrillerfans nur uneingeschränkt empfehlen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Blanvalet Verlags. 

Montag, 10. Juli 2017

Elizabeth Freemantle "Die Rivalin der Königin"

Penelope Devereux ist nicht nur schön, sie ist auch hochintelligent und durchschaut die Machenschaften am Hofe Elizabeths I. sehr schnell. Mit 18 Jahren wird sie Hofdame bei Elizabeth und schnell wird sie in die Verwicklungen hineingezogen, die sich um die starrsinnige Königin ranken. Da Elizabeth sich weigert zu heiraten, bleibt die Thronfolge Zeit ihres Lebens ungeklärt und im Hintergrund werden zahlreiche Koalitionen geschmiedet, die den einen oder anderen königlichen Zweig nach ihrem Tod auf den Thron bringen sollen. Penelope und ihr Bruder, der Graf von Essex, versuchen sich in diesem Spiel auf die richtige Seite zu stellen und müssen sich dabei mit mächtigen Gegenspielern auseinandersetzen.
Elizabeth Freemantle hat mit „Die Rivalin der Königin“ einen umfangreichen und geradezu opulenten historischen Roman abgeliefert, der einen direkt an den Hof von Elizabeth I. transportiert. Die Beschreibungen sind so detailliert und lebensnah, dass sich beim Lesen sofort Bilder im Kopf einstellen und man Penelopes Geschichte fast wie in einem Kinofilm erlebt. Die Figuren sind dabei sehr abwechslungsreich beschrieben, es gibt nicht nur Gut und Böse, alle bewegen sich in einem Schattenreich aus Grautönen um ihr eigenes Überleben zu sichern und die Position ihrer Familien zu stärken. Das führt zu Intrigen und Streitereien, die nicht selten im Tower und auf dem Schafott enden können, wenn man bei der Königin in Ungnade fällt. Penelope beherrscht dieses Spiel sehr schnell annähernd perfekt und treibt so ihre Gegner in den Wahnsinn, ganz im Gegensatz zu ihrem emotionalen Bruder, der die Familie mit seinen Leidenschaften fast in den Untergang treibt.
„Die Rivalin der Königin“ von Elizabeth Freemantle ist ein großartiger historischer Roman, der sehr schöne Einblicke in das Leben am Hofe von Elizabeth I. gibt und historische Tatsachen mit einer spannenden Story verbindet. Dieser Roman fesselt einen als Leser von der ersten Seite an und lässt einen nicht wieder los. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des C. Bertelsmann Verlags. 

Sonntag, 9. Juli 2017

Yuval Noah Harari "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen"

Yuval Noah Harari beschäftigt sich in seinem Buch „Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“ mit der Geschichte des Menschen, seinen gesellschaftlichen Werten und einer möglichen Weiterentwicklung. In Zeiten von Technisierung und „Dataismus“, in der jeder Organismus und jede Wirtschaftsordnung einen Algorithmus darstellt, glaubt er, dass die Werte von Humanismus und Liberalismus in den Hintergrund treten und einer neuen Ordnung Platz machen könnten. Er beschreibt dies ausdrücklich nicht als Prognose, sondern als eine Möglichkeit und zeigt auf, an welchen Schnittstellen sich gesellschaftliche Ordnungen ändern könnten. 
Mir hat „Homo Deus“ sehr gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich für die Lektüre sehr lange gebraucht und zwischendurch immer wieder zu „leichterer“ Lektüre gegriffen haben. Ich finde die Gedanken von Harari sehr nachvollziehbar und er beschreibt keineswegs ein gruseliges Horrorszenario, sondern argumentiert sehr logisch und nachvollziehbar, warum diese eine Variante eine Möglichkeit ist. Es gibt jedoch so viele Komponenten, dass man auf keinen Fall vorhersagen könnte, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt. Besonders positiv finde ich die zahlreichen Beispiele, die er immer wieder einbaut, um seine Erzählung nachvollziehbar zu machen. Dadurch sind auch kompliziertere Sachverhalte gut verständlich für den Leser und man kann ihm gut folgen. 
Der Autor Yuval Noah Harari regt mit seinem Buch „Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“ auf sehr interessante Weise zum Nachdenken an und man wird dazu gebracht, sein eigenes Verhalten und die Veränderung von Werten zu hinterfragen. Ich finde die Lektüre des Buches absolut empfehlenswert, da es viele Fragen aufwirft, denen wir uns in Zukunft immer wieder stellen müssen, besonders die Fragen, welche Gesellschaft wir eigentlich wollen und inwieweit wir der Technik Verantwortung überlassen wollen. Ein sehr spannendes und dennoch hochsachliches Buch, dass sich auf jeden Fall zu lesen lohnt. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Information des C.H. Beck Verlags. 

Mittwoch, 5. Juli 2017

Eberhard Fohrer "Kreta"

Gleich vorweg: Ich bin ein großer Fan der Reiseführer, die Eberhard Fohrer für den Michael Müller Verlag geschrieben hat. Das beste Beispiel dafür ist der Kreta Reiseführer. Am Anfang war ich ehrlich gesagt etwas abgeschreckt, denn der Reiseführer ist sehr dick und dementsprechend schwer, bei einem Stadtbummel möchte ich ihn nicht die ganze Zeit in der Handtasche haben. Aber die Insel ist groß und daher ist es auch sehr sinnvoll, dass der Reiseführer so umfangreich ist.
Wir haben hauptsächlich den Westen der Insel erkunden und haben dabei auch viel ausprobiert, was im Reiseführer vorgeschlagen wird, Rundfahrten und Wanderungen ebenso wie Strände, Städte und Restaurants. Der Reiseführer hat uns an keiner Stelle enttäuscht, die Tipps sind großartig und man merkt, dass sie von jemandem kommen, der sich auf der Insel wirklich auskennt. Auch die Hintergrundberichte zu Land und Leute, Sprache, Essen und Geschichte fand ich sehr informativ und hilfreich, um die Insel richtig kennen zu lernen. Optisch ist die Aufbereitung sehr schön und auch sehr übersichtlich, dank gutem Stichwortverzeichnis und Einteilung des Reiseführers ist man immer schnell bei dem Artikel, den man sucht.

Wir waren leider beim ersten Mal nur eine Woche auf Kreta, doch Dank des Reiseführers hatten wir das Gefühl, wirklich viele tolle Dinge gesehen zu haben und die Zeit genutzt zu haben. Und für die Handtasche beim Stadtbummel gab es dann noch einen günstigen dünnen Reiseführer, der bei Bedarf das nötigste erklären konnte. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Michael Müller Verlags. 

Lucy Foley "Das Versprechen eines Sommers"

Rom, Anfang der 50er Jahre: Hal ist Engländer, der vor seinen Erinnerungen an den Krieg nach Rom geflohen ist und dort als Journalist arbeitet. Auf einer Party lernt er Stella kennen und verliebt sich Hals über Kopf, doch sie ist verheiratet und lebt in Amerika. Die beiden verlieren sich aus den Augen, bis Hal über einen Film schreiben soll, auf dessen Vorstellungstour an der Küste Italiens auch Stella mit ihrem Mann an Bord des Schiffes ist. Probleme scheinen hier vorprogrammiert zu sein.
Was zunächst klingt wie eine kitschige Liebesgeschichte mit zwanghaftem Happy End ist viel komplexer und schöner geschrieben, als man erwartet hätte. Stella und Hal sind komplizierte Persönlichkeiten, die nicht blind in eine Affäre stürzen, sondern ständig reflektieren und kämpfen, sowohl mit der Gegenwart, als auch ihrer persönlichen Vergangenheit, denn beide haben schon schwere Schicksalsschläge erlitten. Lucy Foley erzählt die Geschichte dennoch auf eine sehr leichte und mitreißende Art, ihre Beschreibungen der Menschen und der italienischen Landschaft sind so detailliert und lebensnah, dass man gar nicht anders kann, als sich in die Geschichte hineinziehen zu lassen. Stück für Stück stellt sie dem Leser ihr Personal vor und schafft so die komplexen Verbindungen, die die ganze Geschichte am Laufen halten.

Mir hat Lucy Foleys zweiter Roman „Das Versprechen eines Sommers“ sehr gut gefallen, er zeichnet sich durch großartige Figurenbeschreibungen und spannende Wendungen aus und ist keineswegs zu seicht, wie man am Anfang vermuten könnte. Im Gegenteil überrascht Foley durch eine sehr sensible Erzählweise und gute historische Bezüge auf die 30er und 40er Jahre in Europa. Mich konnte das Buch restlos überzeugen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Insel Taschenbuch Verlags. 

Montag, 3. Juli 2017

Leonie Swann "Gray"

Augustus Huff ist Dozent an der altehrwürdigen Universität Cambridge und hat ein paar Macken, einen leichten Waschzwang und ist besessen von Zahlen. Als einer seiner Studenten von der Kapelle stürzt und stirbt, erhält er die undankbare Aufgabe, dessen hochintelligenten Graupapagei Gray zu übernehmen. Gray sorgt für viel Trubel, bringt Huff aber auch auf einen Gedanken: Was ist, wenn Eliotts Tod gar kein Unfall war, sondern Mord? Gemeinsam mit Gray beginnt er zu ermitteln und bringt auch sich selbst dabei ganz schön in die Zwickmühle.
Leonie Swann ist bekannt für ihre Schafskrimis, doch in diesem Fall übernimmt ein anderes Tier die Ermittlungen, nämlich ein Graupapagei. Gray ist sehr intelligent, mittelgut erzogen und wächst einem genauso wie der schrullige Augustus Huff sofort ans Herz. Die Lektüre ist äußerst kurzweilig und unterhaltsam, dabei jedoch auch spannend, wie ein Krimi sein sollte, denn Eliotts Tod erscheint wirklich sehr seltsam. Wie passend, dass den Jungen keiner leiden konnte- auch sein Tutor Huff nicht. Da Gray sehr gut sprechen kann, aber meist nur Dinge nachplappert, scheint es zwar manchmal mehr ein Glückstreffer, wenn er Huff weiterhelfen kann, aber so oder so ist er lustige Hilfe und die beiden bilden ein kurioses Ermittlerteam.



Wer von einem Krimi nicht nur Hochspannung, polizeiliche Ermittlungen und brutale Taten erwartet, sondern sich auf einen lustigen und skurrilen Krimi einlassen mag, ist bei Leonie Swanns neuestem Buch „Gray“ genau richtig. Augustus Huff und Gray müssen einem einfach direkt ans Herz wachsen und man mag sich gar nicht mehr von ihnen trennen. Es bisschen Hoffnung habe ich, dass es vielleicht nicht der einzige Fall von Gray und Huff gewesen ist, und wir Leser in Zukunft öfter mit ihnen ermitteln dürfen. 

✮✮✮✮✰



Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Goldmann Verlags. 



Freitag, 30. Juni 2017

Barney Norris "Hier treffen sich fünf Flüsse"

Ein Verkehrsunfall in der kleinen Stadt Salisbury in England verbindet die Leben von fünf Menschen miteinander. Sie sind alle völlig verschieden und haben unterschiedliche Leben, Träume und Vorstellungen und obwohl sie sich dessen selbst gar nicht bewusst sind, sind sie verbunden durch diesen Moment, in dem der Autofahrer den Motoroller trifft und die Fahrerin schwer verletzt wird. Fünf Flüsse kreuzen sich in Salisbury wie die Leben dieser fünf Menschen, in einem zentralen Punkt, bevor sie wieder auseinanderdriften, ohne die anderen wirklich zu bemerken.
Barney Norris hat ein wunderbares und feinsinniges Buch geschrieben über die Zufälligkeiten des Lebens und unbewusste Verbindungen zwischen den Menschen, die man selber nicht wahrnimmt, mit denen man dennoch untrennbar verbunden ist. Ein winziger Moment, nur wenige Sekunden, verändern ihr Leben, mal mehr und mal weniger, doch auf jeden Fall haben sie Einfluss. Rund um diese Sekunden drehen sich die fünf Geschichten, die ansonsten völlig für sich alleine stehen und Ausschnitte aus dem Leben der Personen schildern, die sehr eingehend beschrieben sind und einem unweigerlich nahegehen. Norris erzählt mit einem großartigen Blick für Momente und Gefühle und die Geschichten sind kleine, einzelne Erzählungen die einen nicht wieder loslassen. Als Ganzes schafft er so ein großartiges Buch, das einen bewegt und gleichzeitig sehr nachdenklich stimmt.
Mich hat Barney Norris Roman „Hier treffen sich fünf Flüsse” begeistert, sowohl die Struktur als auch den durchdachten Einsatz von Sprache und Form fand ich großartig. Dieser Roman hebt sich positiv von vielen anderen Büchern ab und bleibt einfach in Erinnerung. Genauso wie die fünf Personen, die man dort kennen gelernt hat. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Dumont Verlags. 

Montag, 26. Juni 2017

Diane Ackerman "Die Frau des Zoodirektors"

Der Zoo von Warschau spielte während des Zweiten Weltkriegs eine besondere Rolle: der Zoodirektor Jan und seine Frau Antonina Żabiński versteckten dort zahlreiche Juden und Flüchtlinge vor den Deutschen, gleichzeitig half Jan den Menschen im Ghetto und schmuggelte sie dort hinaus, um sie in der Villa des Zoos zu verstecken. Neben all den versteckten Menschen muss Antonina sich auch noch um ihren Sohn kümmern, der in diesen furchtbaren Zeiten aufwächst, auch wenn eine normale Kindheit nicht möglich ist. Die Tiere spielen wie schon im Leben seiner Eltern eine besondere Rolle und er schützt sie wie Antonina ihn und die Versteckten im Haus schützt.
Am Anfang war ich etwas irritiert vom Erzählstil der Autorin Diane Ackerman, den ich als sehr trocken und distanziert empfunden habe. Die Geschichte an sich ist sehr spannend und Jan und Antonina müssen beeindruckende Persönlichkeiten gewesen sein, leider bin ich ihnen beim Lesen einfach nicht richtig nahe gekommen und für mich konnte die Autorin nicht transportieren, was sie dem Leser näherbringen wollte. Zwar heißt das Buch „Die Frau des Zoodirektors“, aber ich habe viel zu wenig von Antoninas Gefühlen und Beweggründen erfahren, oft sind es schlichte Schilderungen von Vorgängen, ohne dass man hinter Antoninas wirkliche Gefühle kommt. Die einzige Person, die ich sehr gut dargestellt fand, ist ihr Sohn und die Beschreibungen, wie er mit den Geheimnissen im Haus und der ständigen Gefahr aufwuchs.
Diane Ackerman hat mit „Die Frau des Zoodirektors“ ein sehr spannendes Stück Geschichte dargestellt, leider habe ich bis zum Schluss nur sehr schwer Zugang zu den Personen gefunden, so dass mir die Lektüre eher schwer fiel. Dennoch finde ich das Buch sehr lesenswert, weil es viel Hintergrundwissen über die Situation der Polen während des Zweiten Weltkriegs und über die dortige Widerstandsbewegung liefert. 

✮✮✮✰✰



Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Verlags Heyne Encore. 

Freitag, 23. Juni 2017

Martin Walker "Provokateure"

Bruno, Chef de police, muss in einem kniffligen Fall ermitteln. In Afghanistan wird ein autistischer Junge aufgegriffen, der aus Saint-Denis kommt und den Bruno von Kindesbeinen an kennt. Jetzt soll er als Terrorist nach Frankreich ausgeliefert werden und unter anderem Bruno soll sich um ihn kümmern. Doch es gibt auch Leute, die den Jungen aus dem Weg räumen wollen und vor Mord keineswegs zurückschrecken. Ge- meinsam mit einem Team von verschiedenen Sicherheitsleuten und Psychologen hat er eine schwierige Aufgabe: er muss den Jungen vor Feinden schützen und gleichzeitig herausfinden, ob der Junge wirklich als Terrorist in Afghanistan an Anschlägen beteiligt war.
Martin Walker entführt uns wieder ins Périgord und schafft ein wunderbares Gleichgewicht zwischen einem spannenden Kriminalfall und seiner lebensfrohen Beschreibung der Lebensart in Saint-Denis. Der Fall ist äußerst aktuell und wird besonders spannend dadurch, dass eine Moschee in Mittelpunkt rückt und verdächtigt wird, junge Menschen gezielt in den Terror geschickt zu haben. Die Problematik, dass Radikalisierung teilweise in den Moscheen in westlichen Ländern stattfindet, begegnet einem auch heute oft in den Zeitungen, doch dieser Fall ist besonders, denn der Junge ist Autist und erwachsenen Leitfiguren damit besonders ausgeliefert. Sein Genie beim Bauen und Reparieren von Dingen wurde für den Krieg ausgenutzt. Walker beschreibt diesen Fall sehr realistisch und nachvollziehbar, gleichzeitig ist das Buch keinesfalls schwer oder behäbig, sondern immer noch leicht lesbar und sehr unterhaltsam. Dies liegt auch am hervorragenden Personal, dass die Geschichte vorantreibt und durch sehr unterschiedliche Charaktere sehr abwechslungsreich daherkommt.

Wer sich einmal in Martin Walkers Romane um Bruno, Chef de police verliebt hat, wird auch hier wieder voll auf seine Kosten kommen. Und wer Walkers Krimis noch nicht kennt, dem kann ich sie nur ans Herz legen, denn er schafft mit seinen Büchern eine ganz besondere Atmosphäre, die ich von keinem anderen Krimiautor kenne und die einen als Leser einfach einsaugt in seine Romane und nicht wieder loslässt, bis die letzte Zeile gelesen ist. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Lily King "Euphoria"

Lily King erzählt eine Dreiecksgeschichte um Ethnologen im Feldeinsatz. In Neuguinea, Anfang der 30er Jahre, sind sie Pioniere auf dem Gebiet der Ethnologie und begeben sich mitten in die Lebensverhältnisse der indigenen Völker. Nell Stone ist bereits in jungen Jahren berühmt, womit ihr Mann Fen nur schwer umgehen kann. Als sie dann in Neuguinea auf den attraktiven und aufstrebenden Ethnologen Banks treffen, ist er sich sicher, dass er seiner Frau nicht trauen kann. Um wenigstens wissenschaftlich mithalten zu können, begibt er sich auf gefährliches Terrain und lässt Ethik und Moral, die seiner Frau so wichtig sind, hinter sich zurück.
Die Autorin hat sich mit ihrer Geschichte in „Euphoria“ am Leben der berühmten Ethnologin Margaret Mead orientiert und man merkt diesem Buch seine gründliche Recherche an. Die beschriebenen Szenen und die Umgebung sind detailliert gezeichnet und schaffen dem Leser ein genaues Bild vor Augen, in welchem Umfeld sich die Protagonisten bewegen. Durch die Dreiecksgeschichte schafft sie einen schönen Spannungsbogen, der einen als Leser fesselt und immer weiter lesen lässt, auch wenn ich finde, dass das herausragende des Romans wirklich die Arbeitsbeschreibungen der Ethnologen sind, ihre Arbeit und Herangehensweise an die Bevölkerung und die verschiedenen Maßstäbe und Ziele, die sie dabei haben. Gleichzeitig wird ihre Abhängigkeit voneinander sehr deutlich und die Faszination, den dreien sowohl bei der Arbeit als im Privaten zu folgen, hat mich nicht mehr losgelassen und vollständig gefesselt.
Mir hat Lily Kings „Euphoria“ außerordentlich gut gefallen, die Geschichte ist sprachlich sehr schön geschrieben und die Spannung entsteht sowohl aus den privaten wie auch beruflichen Problemen der drei Ethnologen, durch deren unterschiedliche Charaktere King eine großartige Spannung schafft, die einen von der ersten bis zur letzten Seite mitzieht. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen im C.H. Beck Verlag. Am 7. Juli 2017 erscheint die Taschenbuchausgabe bei dtv. 

Sonntag, 18. Juni 2017

Christoph Ransmayr "Cox"

Cox ist englischer Automatenbauer und Uhrmacher und reist zum Kaiser nach China, weil er einen besonderen Auftrag hat. Er soll eine Uhr bauen, die das Leben eines Kindes nachempfindet. Dieser Aufgabe widmet Cox sich mit seinen Mitarbeitern mit voller Kraft, denn erst vor kurzem starb seine fünfjährige Tochter und so steckt er all seine Liebe in dieses Projekt. Doch bevor es fertig ist, entscheidet sich der Kaiser um, eine neue Uhr soll die Zeit eines zu Tode verurteilten messen können. Aber auch dieses Projekt kann er nicht abschließen, denn der Kaiser will von ihm eine ultimative Uhr, die die Ewigkeit misst, ein perpetuum mobile, dass niemals aufhört zu laufen. Cox ahnt, dass er sich mit diesem Projekt in Gefahr bringt, schließlich ist eigentlich der Kaiser Herr über die Zeit, doch verweigern kann er sich dem Auftrag auch nicht. 
Christoph Ransmayr schreibt in seinem Roman „Cox“ eine sehr einfühlsame und stimmungsvolle Geschichte über zwei Männer, auch wenn nur Cox wirklich auftritt. Er ist geflohen vor der Verzweiflung zu Hause nach dem Tod seiner Tochter und trifft jetzt auf den zweiten großen Mann in dieser Geschichte, den Kaiser von China, ein Mann von so unglaublicher Macht, dass ein falsche Wort reicht, um sein eigenes Todesurteil zu unterschreiben. Zwischen diesen beiden Positionen schafft der Autor eine Spannung und gleichzeitig eine Art unheilvolles Gleichgewicht, das ich sehr faszinierend fand. Cox muss einem nicht unbedingt sympathisch sein, um sich vor der Handlung und der Konstruktion der Geschichte gefangen nehmen zu lassen. Bei all dem lässt der Autor uns zeitlos, denn dies ist kein wirklich historischer Roman, ich habe es eher als eine Art beispielhafte Erzählung empfunden. 
Christoph Ransmayr hat mit „Cox“ einen herausragenden Roman geschrieben, der einen als Leser fesselt und bewegt und gleichzeitig nachdenklich macht. Ein tolles Werk, das ich jedem Lesefreund nur ans Herz legen kann. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des S.Fischer Verlags. 

Joe Hill "Fireman"

Eine Seuche hält die Welt in Atem: Dragonscale sorgt bei allen infizierten für Male auf der Haut, irgendwann fangen sie an zu glühen und die Menschen gehen in Flammen auf. Harper ist Krankenschwester und versucht zunächst noch, den Menschen zu helfen, bis sie selbst infiziert wird und ihr Mann versucht, sie mit in den Tod zu nehmen. Doch der Fireman rettet sie, der einzige Mensch, der seine Krankheit zu beherrschen scheint und das Feuer im Griff hat. Gemeinsam mit anderen Menschen, die die Krankheit annehmen und beherrschen wollen, lebt Harper in einem Camp. Doch es bleibt nicht friedlich und auch der Fireman ist nicht so unkompliziert, wie es für Harper zunächst scheint. 
Ich fand Joe Hills Thriller „Fireman“ leider etwas enttäuschend. Zwar ist die Grundidee dieser einzigartigen Seuche sehr spannend und bietet viel Potential, dies wurde aber meiner Meinung nach nicht ausreichend genutzt. Zudem ist das Buch mit über 900 Seiten extrem dick, erzählt aber viel zu wenig auf diesen ganzen Seiten. Die Story hätte man meiner Meinung nach auch problemlos auf 350 Seiten unterbringen können, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Störend fand ich auch die ständige Erwähnung von Marken in dem Buch, ob sie gewollt sind, sei dahingestellt. Warum man nicht einfach ein Auto nehmen kann, sondern es ein Honda Civic sein muss und warum Harper an einer Stelle völlig zusammenhangslos die Erfindung der Coca Cola als größte amerikanische Entdeckung preist, war für mich nicht nachvollziehbar. 
Alles in allem hatte ich mir von dem Buch mehr erwartet, sowohl was die Tiefe und Komplexität der Figuren angeht, als auch die Hintergründe über die seltsame Krankheit, die die Menschen gefangen hält. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, dass der spannende Aspekt, wo die Krankheit herkommt und wie man sie eventuell heilen kann, in dem Buch gar keine Rolle spielt. Daher kann ich leider zu keiner guten Bewertung kommen. Es gibt viele Bücher, die sich mit der Grundidee einer Seuche der ganzen Menschheit auseinandersetzen und dies sehr viel spannender tun.

✮✮✰✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Heyne Verlags. 

Freitag, 9. Juni 2017

Megan Hunter "Vom Ende an"

Während England von einer unglaublichen Flut heimgesucht wird, bekommt die Protagonistin ihr erstes Kind und damit beginnt für sie eine Odyssee. Die Flucht aus dem vertrauten Heim, der Verlust geliebter Menschen und dazu die Verantwortung, als unerfahrene Mutter für ihr neugeborenes Kind sorgen zu müssen, verlangen von ihr mehr, als sie jemals für möglich gehalten hätte, ertragen zu können. 
Megan Hunter erzählt in „Vom Ende an“ so sprachgewaltig und beeindruckend von der namenlosen Protagonistin und ihrem Sohn Z, dass es mich sofort gefesselt hat. Sie braucht nur wenige Worte in dieser Novelle, um das absolut existentielle der Situation deutlich zu machen und gleichzeitig mit dem Fokus auf die Mutter-Sohn-Beziehung eine ganz besondere Geschichte zu schaffen. Dies ist eben kein herkömmlicher Katastrophenroman mit Endzeitstimmung, sondern eine sehr feiner Geschichte, die uns einen kleinen Blick in das Leben eines Menschen in einer Extremsituation werfen lässt. Ihre Situation ist nicht einmalig und in ihrem Umfeld passiert auch viel Furchtbares, doch wir als Leser sind eben mit ihr unterwegs und erfahren ihre Geschichte. Ich habe selten ein Buch einer Autorin gelesen, die so beeindruckend mit Worten und Sprache umgehen kann und noch im kleinsten Nebensatz so viele Emotionen transportiert. 
Obwohl die Lektüre viel zu schnell vorbei war, hat mich das Buch sehr berührt und beeindruckt. Mir fällt nichts Vergleichbares ein, was ich bisher gelesen habe, am ehesten noch Kate Tempest mit „Worauf du dich verlassen kannst“, doch auch der Vergleich ist meiner Meinung nicht wirklich passend. Megan Hunters „Vom Ende an“ steht für sich allein, großartig, kraftvoll und berührend. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des C.H. Beck Verlags. 

Dienstag, 6. Juni 2017

Martin Walker "Grand Prix"

Bruno ist Kommissar in einem kleinen Örtchen im Perigord in Frankreich. Als ein Mann im Ort an einem Herzinfarkt stirbt, wird er als einziger misstrauisch, schließlich soll der ehemalige Archivar an einem sehr lukrativen Auftrag gearbeitet hat. Zeitgleich finden in Saint-Denis eine Rallye und eine Oldtimerausstellung statt. Zahlreiche Fans von alten und teuren Autos finden sich hierzu im Örtchen ein. Bruno vermutet einen Zusammenhang, auch wenn er ihn zunächst nicht richtig erklären kann und etwas abgelenkt davon ist, dass er bei der Rallye plötzlich selbst als Beifahrer einspringen muss.
Dies ist bereits der neunte Fall für Bruno, Chef de police, doch der erste den ich gelesen habe. Besonders gut gefallen hat mir die Atmosphäre, die auf jeder Seite des Buches wirkt und einen sofort in den Bann zieht. Auch wenn dies kein hochspannender Thriller ist, bei dem man atemlos nach Mördern sucht, hat mir Martin Walkers Roman „Grand Prix“ ausgesprochen gut gefallen. Die Figuren sind sehr gut beschrieben und einem beim Lesen sehr nah, auch wenn die zahlreichen vorhergehenden Liebesgeschichten des charmanten Bruno für mich nicht immer nachvollziehbar waren. Doch die ganze Geschichte zieht einen mit einer besonderen Stimmung an und lässt einen nicht mehr los, am liebsten hätte ich mich selbst sofort mit Bruno und Fabiola an einen Tisch auf dem Markt gesetzt und mit ihnen ein Glas Wein getrunken, so freundschaftlich verbunden habe ich mich allen Figuren beim Lesen gefühlt. Martin Walkers Krimi zeichnet etwas aus, was vielen anderen fehlt, nämlich ein feines Gefühl für Atmosphäre und besondere Situationen und Figuren, die einen als Leser einbinden.

„Grand Prix“ von Martin Walker war mein erster Fall von Bruno, hat mich jedoch vollständig überzeugt. Der Stil des Autors ist wunderbar farbenfroh und detailreich und die Lektüre hat mir einfach nur Freude bereitet. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags.